Chenin Blanc

Die Regionen um Anjou und Vouvray sind weltberühmt für große Weißweine aus der Rebsorte Chenin Blanc.

Sie gehört zu den eher unbekannten und sehr unterschätzen Varietäten und ist in Frankreich etwa seit dem Jahr 850 bekannt. Vermutlich ist Chenin Blanc eine natürliche Kreuzung zwischen Sauvignon Blanc x Roter Traminer.

Außerhalb Frankreichs gibt es bemerkenswerte Rebbestände in Südafrika (ca. 20.000 Hektar), im US Bundesstaat Kalifornien (ca. 3900 ha), Argentinien und Chile, ein wenig in Australien (640 ha) und Neuseeland (< 100 ha).

Die Rebsorte ist sehr wandlungs- und anpassungsfähig. Sie reift vergleichsweise früh und kann große Erträge liefern. Aus ertragsreichen Parzellen erzeugter Wein verfügt über einen Charakter, der mehr Ähnlichkeit mit einem Sauvignon Blanc aufweist und etwas flatterhaft ausfällt. Der typische Sortencharakter des Chenin Blanc kommt dann eher selten zum Vorschein, es handelt sich meist um frische, fruchtige Weißweine für den Massenmarkt.

Anspruchsvolle Weine werden, bis auf wenige kalifornische Ausnahmen, ausschließlich in Frankreich erzeugt.

Vouvray, Montlouis, Savennières und die Süßweine aus dem Tal des Layon, Coteaux du Layon, Bonnezeaux und Quarts de Chaume

können ein erstklassiges Niveau haben. Einige wenige Hektar Chenin Blanc gibt es den höheren Lagen des Languedoc. Zu beachten ist aber auch in Frankreich, daß die Bandbreite der Qualitäten und Charaktere sehr groß ist.

Der größte Teil der erzeugten Weine bleibt in Frankreich, die Nähe zu riesigen „Bauch von Paris“ macht es möglich, geschätzt ein Zehntel der Produktion geht in den Export. Generell liefern die Weingüter der Loire den Löwenanteil ihrer Produktion in diesen dichtbesiedelten Ballungsraum. Und nicht wenige Pariser/innen haben ein Wochenenddomizil im Bereich der mittleren und unteren Loire und nutzen die Gelegenheit zum Einkauf vor Ort.

 

Für uns zählt die Rebsorte Chenin Blanc zu den interessantesten weißen Rebsorten.

Wenn der Weiße Riesling der Kaiser ist, ist Chenin Blanc ein König und gleichauf mit exzellenten Chardonnays.

Die Rebsorte ist schwierig zu bändigen und bestraft den Winzer, der die Erträge nicht im Blick hat. Aus gutem Grund liegen die vorgeschriebenen Höchsterträge in Frankreich meist bei maximal 45 hl/ha. Chenin Blanc neigt trotzt dicker Beerenhaut zu frühem Schimmelbefall, dennoch muß sie ausreifen, sonst ist die Säure zu spitz und dem Wein mangelt es an Körper. Schlanken Chenin Blanc helfen auch mehrere Jahre Reifezeit im Keller nicht. Wenn sich die Säure ein wenig harmonisiert hat ist meist auch direkt die Frucht verschwunden.

Wenn alles perfekt gelaufen ist, also gesundes, vollreifes Lesegut mit optimalen Zucker- und Säurewerten verwendet wurde, kann das Ergebnis dennoch nicht so begeisternd ausfallen. Reife Trauben liefern alkoholstarke Weine, die perfekte Harmonie mit den übrigen Weinbestandteilen zu erzielen ist wie der Ritt auf einer Kanonenkugel. Und damit nicht genug, der fertige Wein kann sich zu einem Chamäleon entwickeln. Es gibt Monate der Zweifel, ob man sich nicht total „verkauft“ hat, so eigenwillig präsentiert er sich dann. Meist ist dies im Frühjahr der Fall. Nasse Pappe, Schaffell und muffige Kellerdüfte dominieren die Aromatik. Wenige Monate später präsentiert die nächste Flasche eine brillante Qualität, als wenn nichts gewesen wäre.

Topqualitäten entwickeln im Lauf der Jahre eine immer komplexere Frucht. Die Aromen exotischer Früchte, Birnen und Äpfel werden verstärkt von gewürzigen Komponenten ergänzt. Etwas Safran, eine feine Currymischung und reife Honigmelone können dann dazu kommen. Die Ausprägung der Aromen ist sehr stark vom jeweiligen Terroir abhängig, ebenso die Ausprägung der Mineralik. Weine, deren Reben auf Schiefer, Granit oder Basalt stehen, können sehr salzig ausfallen. Tuffstein wie südlich von Saumur oder um Vouvray hingegen fördert die cremige, seidige Struktur, Chenin Blanc vom Kalkstein ist in der Jugend oft sehr verschlossen und hart. Gute, trocken ausgebaute Chenin Blanc haben ein Reifepotential von 10 bis 15 Jahren.

Wenn über Chenin Blanc geschrieben wird, dürfen natürlich die süßen Qualitäten nicht fehlen. Die Eingangs beschriebene Neigung zum Schimmel kann sich als wahrer Segen herausstellen, sofern es sich um den Befall mit Botrytis Cinerea handelt (bei Grauschimmel hingegen ist kaum noch etwas zu retten).

Wenn das Gleichgewicht von Säure und Zucker in der Beere perfekt ist, sind die Voraussetzungen für den Befall mit Botrytis Cinerea optimal. Dann ist auch der fertige Wein im Einklang mit sich selber, Süße, Säure, Frucht, alles bildet ein harmonisches Ganzes. Dafür ist harte Handarbeit angesagt, zum Teil wird Beere für Beere sortiert, je größer der Anteil edelfauler Trauben ist, desto höher ist die Säure. Wer früh mit der Lese beginnt, erhält süße, allerdings wenig elegante Weine da dann die harmonisierende Säure fehlt.

Winzer mit Nerven wie Drahtseile warten lange bis zur Lese, es kommen zwar nur noch mikrobische Mengen in die Kelter (< 10 hl/ha), aber der fertige Wein hat dann eine traumhafte, harmonische Struktur und kann sich qualitativ locker mit den edelsüßen Weine aus dem Sauternes oder von der Mosel messen.

Die edelsüßen Weine, ob aus der Region um den Layon, Vouvray oder Montlouis, dürfen alt werden. 30, 40 oder 50 Jahre Reifepotential sind die Regel, nicht die Ausnahme. Die Aromatik wandelt sich während dieser Zeit, so daß Sie quasi alle paar Jahre einen „neuen“ Wein entdecken können.

Haben wir Sie neugierig gemacht? Dann sollten Sie unbedingt einen erstklassigen Chenin Blanc probieren. Zum Beispiel von der Domaine Ogereau.

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