Weingut Holger Koch, Baden

Hersteller: Weingut Holger Koch
Ort: Vogtsburg-Bickensohl
Land - Gebiet: Deutschland - Baden
Adresse: Mannwerkstraße 4, 79235 Vogtsburg im Kaiserstuhl

Holger Koch bezeichnet den Jahrgang 2017 als ein Jahr der Wetterextreme. Frost im April, Hagel Mitte Mai, gefolgt von einem heißen Sommer. Es gab Schäden, aber die Reben kamen glimpflich davon.

Aufgrund der nur acht Hektar Betriebsgröße konnten alle Reb- und Weinbergsarbeiten zeitnah durchgeführt werden, angesichts des zeitweise explosionsartigen Pflanzenwuchses keine Selbstverständlichkeit. Holger erzählte, daß größere Betriebe mit knapper Personaldecke vielerorts mächtig ins Schwitzen gerieten. Und das nicht nur wegen der Temperaturen.

Die Lese begann früh, aber zum Lesebeginn im September kühlte es deutlich ab und die gelesenen Trauben behielten ihre frische und feinfruchtige Art, noch einmal ausgeprägter als in den Jahren davor. Die Erträge waren in 2017 deutlich geringer, aber als Ausgleich hatte Qualität hat im gleichen Maße zugelegt. Als Ergebnis gibt es tolle Weine und mindestens zwei sehr glückliche Menschen: Gabriele und Holger.

Mit seinem Vorsatz, nur Weiß-, Grau- und Spätburgunder anzubauen, hat Holger Koch mittlerweile gebrochen. Chardonnay gibt es seit 2010 und die exzellenten Ergebnisse haben bei ihm ein Umdenken bewirkt. Es wird in Zukunft mehr Chardonnay geben, da diese Rebsorte deutlich besser mit den wärmeren Temperaturen zurechtkommt. Das geht auf Kosten des Grauburgunders, der in heißen und feuchten Jahren große Probleme mit Essigfäule hat.  

 

Der Jahrgang 2016 begann mit einer sehr späten Rebenentwicklung, wie es sie seit dem Jahr 2010 nicht mehr gegeben hat. Im Gegensatz zum heißen Jahr 2015 war das Frühjahr zu kühl und völlig verregnet, aber das Weingut wurde wenigsten weitgehend von Spätfrösten verschont. Nur einige wenige, bodennahe Triebe trugen Schäden davon.

Groß war die Erleichterung bei Abschluß der Lese, die ein überraschendes Ergebnis lieferte: Es war eine der besten des Weingutes. Reifegrade, Fruchtsubstanz und Ertrag, alles war perfekt. Der eher kühle Oktober ermöglichte eine langsame Aromenbildung und förderte die Frische. Besser konnte es nicht laufen. 

 

Mit dem Jahrgang 2015 waren Gabriele Engesser und Holger Koch sehr zufrieden. Die Weine fielen grundsätzlich elegant, frisch und mineralisch aus, damit hatte nach dem heißen Sommer keiner gerechnet. Im September kühlten die Nächte deutlich ab, wovon besonders die hoch gelegenen Parzellen profitieren konnten. Eine vergleichsweise frühe Lese trug dazu bei, die Frische zu bewahren.

Zusätzlich halfen zwei unkonventionelle Tricks, den gewünschten Weinstil zu erhalten. Knapp 8% der Weiß- und Grauburgundermoste wurden 6 Monate lang im Holzfaß auf der Maische vergoren. Der so gewonnene feine Gerbstoff soll den mineralischen Eindruck und die fleischige Frucht verstärken. Dazu kam Wein aus Geiztrauben. Normalerweise werden diese kleinen, spätreifen Trauben aus der zweiten Blüte bei der Weinbereitung kaum berücksichtigt, da sie selten richtig reif werden.

Aber besonders in üppigen Jahren können sie mit der knackigen Säure, der frischen Frucht und den niedrigen Alkoholwerten (hier 10%) dazu beitragen, Weinen die Schwere zu nehmen. Obwohl beim Weingut Koch die Cuvées nur mit 10 - 15 % verschnitten wurden, haben sie den barocken Jahrgangsstil aufgebrochen und erfrischt. Nachhaltige Kraft und elegante Lebendigkeit stehen damit wieder gleichberechtigt nebeneinander. Mit 12,5 bis 13,5 % fallen die Alkoholgradationen recht moderat aus, die Weine haben mehr Schmelz und eine saftigere Substanz als in den Vorjahren. Sie sind angenehm mundfüllend, da eine überraschend frische Säure und aromatische Fruchtigkeit Schwere nicht aufkommen läßt.

 

Seit vielen Generationen betreibt die Familie Koch Rebbau am Kaiserstuhl, aber erst zur Jahrtausendwende begann sie damit, die Weine selbst auszubauen. Es werden ausschließlich Burgundersorten und Chardonnay angebaut und vinifiziert. Auf dem knapp acht Hektar großen Weingut erzeugen Holger Koch und seine Frau Gabriele Engesser mit Hilfe seiner Eltern lebendige, authentische und eigenständige Weine.

Das Weingut hat seinen Sitz in östlichen Ortsausgang von Bickensohl und ist fast komplett von Reben umgeben. Diese stehen in den höher gelegenen, kühleren Parzellen von Bickensohl und sind von der Flurbereinigung weitgehend verschont geblieben. 

Bewußt werden seit Jahren Reben aus alten Rebanlagen vegetativ vermehrt (sélection massale). Es sind Reben, die unbelastet von moderner Klonzüchtung sind und kleine Trauben mit kleinen Beeren liefern, diese weisen aber ungewöhnlich ausdrucksstarken Aromen auf. Dazu kommt Rebmaterial aus dem Elsaß für Weißen und Grauen Burgunder, zum Teil auch Klone vom Pinot Noir aus Dijon im Burgund.

Die Rebzeilen sind begrünt, Herbizide werden nicht eingesetzt, womit das natürliche Gleichgewicht im Boden erhalten bleibt. Im Weinberg wird viel händisch gearbeitet, Pflanzenschutzmittel werden so zurückhaltend wie möglich eingesetzt. An Botrytis erkrankte Trauben werden ebenso ausgelesen wie unreife, grüne Trauben (mit Ausnahme 2015.)

Auf diesem Wege wird die Qualität der Trauben gesteigert. Reinheit, Kraft und Lebendigkeit, diese Eigenschaften sollen alle Weine auszeichnen und durch eine feinnuancierte und erfrischende Länge im Mund bestechen. Konzentration wird nicht als Wucht oder Fett verstanden, sondern als elegante Nachhaltigkeit, die allein von intensiven Traubenaromen getragen wird.

Das Resultat: Trinkvergnügen auf hohem Niveau, ein stets anregender Genuß und Weine, die ideal ein Essen begleiten.

Bevor Holger Koch das Weingut seiner Eltern übernahm, arbeitete er als Praktikant in Saint Emilion beim Graf Neipperg sowie als Kellermeister bei Franz Keller im benachbarten Oberbergen. Mit dem Jahrgang 2001 kam der erste eigene Wein in Flaschen, seitdem hat sich das Weingut stetig weiterentwickelt.

Es wird naturnah gearbeitet, seit dem Jahrgang 2015 wird auf eine offizielle Deklaration verzichtet. Zu hoch war Holger Koch der Aufwand bei der Verwaltung. Im Weinberg bleibt er den Grundsätzen dennoch treu, auch ohne aufwendige externe Kontrollen und Prüfungen.

Die Flurbereinigungen im Kaiserstuhl sind für ihn ein Alptraum, alte gewachsene Lagen wurde aus seiner Sicht zugunsten einer leichteren Bewirtschaftung unwiederbringlich zerstört. Holger Koch möchte mit seinen Weinen belegen, daß nicht alle Weine uniform und massenkompatibel sein müssen. Er strebt einen möglichst klaren Herkunftscharakter seiner Weine an, auch aus diesem Grund beschränkt er sich auf Weiß-, Grau-, und Spätburgunder. Alle Moste werden ausschließlich spontan im Edelstahl und/oder Holzfaßvergoren. Die Rotweine und weißen Spitzen kommen in 1200 Liter Holzfässer, teilweise auch ins Barriquefaß.

Es ist nicht auf den Etiketten angegeben, aber Holger Koch „kann“ nur trockene Weine.

Auszeichnungen

Eichelmann Weinführer 2016 & 2018: 3,5 Sterne

Gault & Millau Weinguide 2016: 3 Trauben

Lagen

Rebfläche 8 Hektar. Die Lagen in Bickensohl liegen in 50 bis 400 Metern Höhe.
Die besten Lagen sind Halbuck, Eichbuck, Katzenloch und Scheibenhardt.

Bewirtschaftung

Naturnah

Sorten

Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Spätburgunder

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